Vor dem Vergnügen kommt die Arbeit. Ich brauche neue Einlagen für meine Laufschuhe, organisiere also einen Termin bei OSZL in der Eisenbahnstraße. Das geht schnell, eine Tag später bin ich da, bringe Schuhe und bisherige Einlagen mit. Verabredet bin ich mit dem Orthopädieschuhmacher Benjamin Gutjahr.

Doch bevor er meine Füße unter die Lupe nimmt, lässt er sich ausführlich von mir informieren, wofür die Einlagen gebraucht werden, ob ich Vorerkrankungen mitbringe, welche Eigenschaften mein “Laufwerk” hat, welchen Sport ich treibe. Zweimal in der Woche bin ich joggender-weise unterwegs, mal drei, mal fünf Kilometer. Obwohl ich spezielle Laufschuhe gekauft habe – etwa eine Nummer größer als regulär – scheuert es an einer Stelle. Habe ich etwas pausiert, sind wegen entstehender Blasen nur kurze Strecken machbar. “Aber das kriegen wir in den Griff”, sagt Gutjahr, denn an sich sitzen die Schuhe wie angegossen.

Nach dem ersten Gespräch holt er einige Zettel aus der Schublade. “Einiges müssen wir erst einmal ausfüllen, bevor es an die Fußabdrücke geht”, erklärt er. Den Beginn bildet die sogenannte Arbeitskarte: Hierauf ist vermerkt, ob ich die Einlagen via Rezept bekomme, welche Schuhgröße ich habe, für welche Schuhe die Einlagen letztlich gedacht sind. Weiter geht es mit der “Mehrkostenerklärung”. Maximal 20 Euro sind aus eigener Tasche zu zahlen, wenn das Rezept vom Arzt kommt, bestätigen muss ich das mit meiner Unterschrift. Doch die 20 Euro sind es mir wert, meine zukünftigen Einlagen sind individuell maßgefertigt und von entsprechender Qualität.

Das Formular “Dokumentation” schließt sich daran an. Es dient als Beleg für die Krankenkasse, dass der Patient auch über eine aufzahlungsfreie Versorgung informiert worden ist. Danach versichere ich noch in der Datenschutzerklärung, dass eine Fotodokumentation von meinen Füßen und die Daten dazu dem Zweck entsprechend verwendet werden dürfen. Bleibt noch, die „Patientenerklärung“ auszufüllen. Sie dient der Absicherung der Krankenkasse, dass der Patient maximal zwei Paar Einlagen pro Jahr bekommen hat.

“Die notwendigen Formulare haben wir damit abgearbeitet, nun gibt es noch eines zum Fußprofil, das aber freiwillig ausgefüllt werden kann”, macht Gutjahr deutlich. Es beinhalte Fußlänge, -breite, den Umfang, die Schuhgröße und mögliche Beschwerden. Aber warum braucht es diese ausführliche Dokumentation und die zahlreichen Unterschriften? „Bitte haben Sie Verständnis, das wird uns von den gesetzlichen Krankenkassen vorgeschrieben“, sagt Gutjahr. Für jeden Kunden seien die Formulare auszufüllen, „der Aufwand gehört für uns mit dazu”. Das Ausfüllen der Dokumente nimmt zwar etwas Zeit in Anspruch, ist aber dennoch schnell erledigt. Nach dem Motto „Wer das eine will, muss das andere mögen“. Weniger „Papierkram“ wäre es, käme eine private Zahlung der Einlagen in Betracht.

Eine Woche später kann ich gegen Empfangsbestätigung meine Einlagen abholen und mich gleich auf meine Laufstrecke machen. Gutjahr informiert mich zuvor, dass ich zwei Wochen später noch einmal kommen solle, um zu prüfen, ob alles sitzt und passt.

Nun gut, das Gefühl beim Laufen ist zunächst ungewohnt, deshalb fällt die erste “Einlagen-Tour” kürzer aus, damit sich Füße, Beine und ich mich darauf einstellen können. Doch schon bald kann ich die Dauer ausdehnen – und von Scheuern und entstehenden Blasen ist zum Glück nichts mehr zu spüren.

Julia Tonne